28. Juli 2010

Sag’s mit einem Wort

Und zur Abwechslung mal wieder ein Stöckchen…. gefunden bei eisitu. Die Aufgabenstellung: Zugeworfene kurze Fragen mit nur einem Wort zu kommentieren. Mal schauen, ob das machbar ist….

1. Wo ist dein Handy? – hier
2. Deine Haare? – wachsen
3. Deine Mama? – ahnungslos
4. Dein Papa? – unten
5. Lieblingsgegenstand? – Stereoanlage
6. Dein Traum von letzter Nacht? – vergessen
7. Lieblingsgetränk? – Kaffee
8. Traumauto? – SLK
9. Der Raum, in dem du dich befindest? – Homeoffice
10. Dein/e Ex? – welche?
11. Deine Angst? – zeitweise
12. Was möchtest du in 10 Jahren sein? – glücklich
13. Mit wem verbrachtest du den gestrigen Abend? – Freunde
14. Was bist du nicht? – cool
15. Das letzte, was du getan hast? – ferngesehen
16. Was trägst du? – fleckywear
17. Lieblingsbuch? – LTB’s
18. Das letzte, was du gegessen hast? – Hanuta
19. Dein Leben? – chaotisch
20. Deine Stimmung? – wechselhaft
21. Deine Freunde? – buntgemischt
22. Woran denkst du gerade? – Partyplanung
23. Was machst du gerade? – beantworten
24. Dein Sommer? – piratig
25. Was läuft in deinem TV? – Serien
26. Wann das letzte Mal gelacht? – gestern
27. Das letzte Mal geweint? – letztens
28. Schule? – abgeschlossen
29. Was hörst du gerade? – J.B.O.
30. Liebste Wochenendbeschäftigung? – faulenzen
31. Traumjob? – kreativ
32. Dein Computer? – wichtig
33. Außerhalb deines Fensters? – RealLife
34. Bier? – Guinness
35. Mexikanisches Essen? – weniger
36. Winter? – Glühwein
37. Religion? – Atheist
38. Urlaub? – 2008
39. Auf deinem Bett? – Laptop
40. Liebe? – schön

Weiterführen darf dieses kleine 1-Wort-Experiment jeder, der mag. Ich lasse das Stöckchen hier mal einfach so liegen… :)

25. Juli 2010

Von einer Party und ihrem traurigen Ende

So hatte sich wohl kaum jemand die Love Parade in Duisburg vorgestellt. Nachdem bis zum Nachmittag die weltgrößte Technoparty fast reibungslos vonstatten ging, kam es gegen 17 Uhr zum tragischen Zwischenfall. Die genauen Umstände der Massenpanik, die sich im und um den Tunnel der Karl-Lehr-Straße in Duisburg abgespielt haben, werden wohl noch zu klären sein. Fakt ist aber wohl, dass die Sicherheitsvorkehrungen und die Planung im Allgemeinen fatale Schwachstellen hatten. Schwachstellen, die man wohl als “grob fahrlässig” bezeichnen konnte. Das Gelände für nichtmal die Hälfte der erwarteten Raver geeignet. Und natürlich der größte Fehler: annähernd 1,4 Millionen Menschen durch einen engen Tunnel als einzigen Zugang auf das alte Güterbahnhofsgelände schleusen zu wollen. Die Hintergründe dafür sind ebensowenig bekannt, wie nachvollziehbar. Wollte man den Besucherstrom gezielt kontrollieren? Das generelle Konzept einer “stationären” Love Parade auf einem geschlossenen Gelände, das Duisburg erstmals einsetzte war für diese Art der Veranstaltung denkbar ungeeignet und kostete im Endeffekt 19 Menschen (Stand: 25. Juli) das Leben.

Die Verantwortlichen weisen derweil jegliche Schuld von sich und schieben diese auf Festivalbesucher, die der beklemmenden Enge entfliehen wollten und versuchten, über kleine Treppen am Rand des Tunnels aus der Menschenmasse zu entkommen. Augenzeugen berichten unterdessen von angsteinflößenden Szenen. Man bekam keine Luft mehr, Menschen kollabierten und wurden einfach liegen gelassen.

” Panik entsteht. Menschen versuchen sich den Weg nach draußen frei zu kämpfen, wer hinfällt wird überrannt und hat keine Chance mehr.”  (Zitat eines Augenzeugen)

Die Hilfsdienste unterdessen selbst machtlos. Die Eingänge zu dem Tunnel durch die Massen verbarrikadiert, da die Polizei wohl trotz der Überfüllung weiter Besucher auf das Festivalgelände gelassen hat. Trotz, dass einige Raver die Polizei noch vor der entstehenden Situation warnten. Und dann geschieht das Unvermeidliche, das Schockierendste:

„Das hab ich noch nie erlebt. Da lagen 25 Leute auf einem Haufen. Ich hab geschrien, die Leute haben keine Luft mehr bekommen. Ich hab Tote gesehen, da saß einer, der war ganz blass, dem wollte ich Wasser geben. Aber der Sanitäter hat zu mir gesagt, das hat keinen Zweck mehr, der ist tot. Die Polizei stand auf der Brücke und hat nichts gemacht”  (Kevin Krausgartner, Besucher)

Erst einige Zeit später kommen die Rettungsdienste an die panischen Menschen heran, können 15 Raver nur noch tot bergen, weitere 4 sterben im Lauf des Abends an ihren Verletzungen. Kurz danach erscheinen bereits erste Meldungen über die Tragödie auf Twitter, die Polizei bestätigt die Nachricht und die Tagesschau veröffentlicht eine Eilmeldung. Erste besorgte Angehörige von Besuchern versuchen, diese über Handy zu erreichen, das Netz bricht zusammen. Währenddessen entscheiden die Veranstalter, die Love Parade weiterlaufen zu lassen, aus Angst vor einer weiteren Massenpanik. Daraus entsteht die bizarre aber einzig richtige Situation, dass auf der einen Seite des Geländes getanzt und gefeiert wird, auf der anderen zahllose Rettungswägen und -helikopter Tote und Verletzte aus dem Tunnel ziehen. Viele der feiernden Raver erfahren erst viel später von dem Zwischenfall, als sich das Handynetz wieder einigermaßen stabilisiert.

Und wie wurde danach damit umgegangen? Die offizielle Website der Love Parade zeigte sich zunächst ungerührt und sendete sogar noch mehr als 3 Stunden ihre Livestreams von der Veranstaltung. Professioneller dagegen der übertragende Fernsehsender WDR, welche sofort das Partygeschehen ausblendeten und zur Krisenberichtserstattung übergingen. Den Vogel abgeschossen hatte dagegen die Bild-Zeitung, welche provokativ auf ihrer Website fragte, warum die Love Parade nicht sofort abgebrochen werde – und in ihrer Bildergalerie ganz scham- und pietätslos zahlreiche Fotos der Leichen zeigte. Woraufhin sich auf Twitter ein Sturm der Entrüstung entfachte (berechtigterweise!), mehrere User riefen zur Meldung an den Presserat auf. Twitter selbst war übrigens wohl eine der Informatiosquellen Nr. 1 zum Love Parade – Unglück. Vorbildlich wurden auch von Unbeteiligten wichtige Informationen, Suchmeldungen und Telefonnummern weiterverbreitet. Beschämend nur manche User, die sinngemäß twitterten, sie wollten trotz des Unglücks gefälligst wieder Partybilder auf den Kanälen sehen.

Der Duisburger Hauptbahnhof unterdessen gesperrt, da orientierungslose Besucher versuchten, über die Gleise vom Festgelände wegzukommen, die Bahn ließ leere Züge wegfahren. Laut eines Beobachters “kriegsähnliche Zustände” am Bahnhof. Erst einige Zeit später wurden wieder Bahnen zur Verfügung gestellt – mit unfreundlichem Personal, die Menschen, welche aufgrund des Gedränges und der Situation kein Ticket lösen konnten und nur noch weg wollten, Strafe zahlen ließen oder ganz des Zuges verwiesen.

Also alles in allem ein riesiges Versagen von Seiten der Organisation, der Sicherheit und der Infrastruktur – und dabei hatte ein Ortsansässiger noch zwei Tage vorher Folgendes in einem Forum gepostet:

„Sehe ich das richtig, dass die versuchen, eine Million Menschen über die einspurige (!) TUNNELSTRASSE (!) Karl-Lehr-Straße mit zwischendurch zwei kleinen Trampelpfaden hoch zum Veranstaltungsgelände zu führen? Also, in meinen Augen ist das ‘ne Falle. Das kann doch nie und nimmer gut gehen (…) Ich sehe schon Tote, wenn nach der Abschlusskundgebung alle auf einmal über diese mickrige Straße das Gelände verlassen wollen.“

Die Vorhersage wurde leider bittere Wahrheit.

Der Tunnel kurz vor der Massenpanik

Der Tunnel kurz vor der Massenpanik

Das Protokoll der Katastrophe auf welt.de

14. Juli 2010

Im Knast sind die Türen offen

Im Rahmen der baden-württembergischen Woche der Justiz bot die berühmt-berüchtigte Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim für interessierte Bürger am 14. Juli 2010 einen Tag der offenen Tür an – allerdings nur für die Einwohner Stammheims und nach vorheriger Anmeldung. Allerdings wurde diese Tatsache von seiten der Justiz relativ schlecht kommuniziert und erst nach einem Hinweis des Stammheimer Blogs so wirklich bekannt.

Dessen Betreiber Carsten Münz erlebte seinerseits bereits im Jahr 2004 eine solche Führung und stellte seine Eindrücke auf dem Blog dar.

Wir selbst kamen heute kurz nach 10 Uhr an der JVA an, genau zum richtigen Zeitpunkt, wir konnten uns noch an eine kleinere Gruppe anhängen, deren Führung gerade begann. Zunächst mussten wir an der Pforte unsere Personalausweise abgeben, dann wurden wir gefragt, ob wir Handys mit uns führen, diese dürfen auch nicht mit nach innen genommen werden. Im Gegensatz zu “normalen” Besuchern, durften wir aber Schlüssel, Geldbeutel etc. behalten… normalerweise darf man im Inneren nur 2 Taschentücher mit sich führen. Danach ging es erstmal durch eine weitere, getrennte Sicherheitskontrolle, die sehr stark an die der Flughäfen erinnert. Nach der Durchsuchung und der Überprüfung mit dem Metalldetektor kamen wir dann endgültig in den “Innenbereich”. Dort wurden wir von einem Justizbeamten in Empfang genommen, der uns zunächst in einen Innenhof geleitete. Dort wurde uns zunächst etwas über die bevorstehenden Baumaßnahmen an der JVA erzählt – so werden weitere Neubauten am Rand des Geländes erstellt und danach die Hauptgebäude abgerissen und ersetzt. Dies soll bis etwa zum Jahr 2020 geschehen.

Als nächstes standen zwei Gefangenentransportwägen zur Ansicht bereit… in dem älteren von beiden, der allerdings immer noch in Betrieb ist, erinnerte die hölzerne Innenausstattung doch sehr an einen alten Eisenbahnwagen der 3. Klasse. Die Wägen sind nicht klimatisiert und die Gefangenen sitzen darin relativ eng – allerdings wird dieser Typ Transporter meist nur für die Fahrt zum Gericht etc. genutzt, also eher für Kurzstrecken. Größere Verlegungen erfolgen per Sammeltransport in einem umgebauten Reisebus.

Als nächste Station bekamen wir zwei Zellen zu sehen, eine Einzel- und eine Doppelzelle – wobei der Beamte darauf hinwies, dass diese frisch gereinigt seien. Während der regulären Benutzung durch Häftlinge würden diese sehr schnell verschmutzt und oftmals auch mit Pin-Up-Postern “dekoriert” werden. Die Einzelzelle war sehr karg eingerichtet, die Doppelzelle erinnerte vom Ambiente her irgendwie an ein Zimmer in einer billigen Jugendherberge. Jedoch war zumindest in jedem Raum ein Fernseher vorhanden – für dessen Benutzung die Inhaftierten allerdings zahlen müssen.

Weiter ging es dann in einen Arbeitsraum. Die rechtskräftig verurteilten Häftlinge müssen während ihres Aufenthalts arbeiten, für die Untersuchungshäftlinge ist es freiwillig. Neben den Tätigkeiten für die JVA selbst werden dort auch Auftragsarbeiten von und für Firmen und Privatpersonen ausgeführt. Beispielsweise wie im derzeitigen Fall das Verpacken von Simmerringen und ähnlichem für eine metallverarbeitende Firma.

Im großen Hauptgebäude (quasi das “Noch-Wahrzeichen”) der JVA bekamen wir nochmals weitere Zellen zu sehen, sowie den Veranstaltungsraum, in dem Gottesdienste, Lesungen, Turnieren oder Konzerte stattfinden. In diesem Teil nahm sich ein Beamter einige Minuten für uns Zeit um uns einige Fragen zu seinem Berufsalltag zu beantworten, beispielsweisem, ob man Mitleid mit Untersuchungshäftlingen bekommt, die beteuern, unschuldig zu sein. Er verwies darauf, dass man zwar nicht abgestumpft sein, solche Dinge aber nicht wirklich an sich heranlassen dürfe, da man sonst seinen Dienst nicht routiniert und professionell machen könne. Einzig auf die Frage, wie oft es Übergriffe gegenüber Beamten gebe, wollte er aus Sicherheitsgründen keine Angabe machen.

Weitergeführt wurden wir dann in die Besucherräume, von denen es mehrere Arten gibt: Einmal die “optischen” Räume, in denen der Häftling in einer Art “Abteil” mit seinem Besuch sitzt, ein Beamter überwacht das Treffen von außen. Dann etwas größere Zimmer, in denen der Beamte während des Besuchs im Raum präsent ist – und zum Schluss die berüchtigten Besucherzellen mit Trennwand. Diese, so wurde erklärt, werden dann benutzt, wenn schonmal versucht wurde, über den Gefangenen etwas hinein zu schmuggeln. Auch z.B. Jutiziare, die ein Gutachten über den Häftling erstellen müssen, wählen oft diese Zellen, da sie teilweise Repressalien fürchten, insbesondere nach einem negativen Gutachten.

Die letzte Station war der kleine Aufenthaltsbereich mit Süßigkeiten-, Tabak- und Getränkeautomaten, an denen die Insassen, die sich durch Arbeit etwas Geld verdienen, einkaufen können. Hier informierte uns eine Beamtin noch kurz über den Beruf des Justizvollzugsbeamten – bis wir danach, insgesamt etwa 90 Minuten nach Beginn der Führung, wieder in die Freiheit entlassen wurden. Im Gegensatz zu vielen anderen “Besuchern” der Anstalt.

Leider nicht zu sehen bekamen wir die ehemaligen Zellen der RAF-Insassen sowie die Spezialzellen für randalierende Gefangene. Auch Teile wie die Überwachungszentrale wurden – vermutlich aus Sicherheitsgründen – außen vor gelassen.

Dennoch war es ein interessanter Besuch – nach vielen Jahren, in denen ich das wuchtige Gebäude, das den Ruf Stammheims prägt, nur von außen kannte.

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